Ein Zeichen setzen für die Fachhochschule

BURGDORF/REGION: Am Mittwoch, den 19. Oktober, erfolgt auf innovative Weise die übergabe der 20000 Unterschriften, die zugunsten des «Campus Burgdorf» gesammelt wurden. Politikerinnen und Politiker, Gemeindevertreter, Bildungsfachpersonen, Mitarbeitende der Stadtverwaltung Burgdorf, Pressevertreter und Bürger/innen werden sich am Nachmittag gemeinsam mit einer Armada von Flyer-Elektrovelos gen Bern in Richtung Rathausplatz auf den Weg machen. red

Nach wie vor kämpfen die Regionen Emmental und Oberaargau für den Erhalt des Fachhochschulstandorts Burgdorf. Politiker/innen aller Parteien, Unternehmer/innen und die Bevölkerung aus der Region setzen sich gemeinsam gegen den Entscheid des Regierungsrates zur Wehr, die Berner Fachhochschule künftig nur noch in Bern und Biel konzentrieren zu wollen und die Emmestadt als Standort mittelfristig aufzugeben. Wie stark der Rückhalt für das traditionsreiche Technikum in Burgdorf ist, hat die Petition «Campus Burgdorf», die von rund 20 000 Personen unterschrieben wurde, eindrucksvoll aufgezeigt.

Mit einer Armada von Flyers gen Bern
Am Mittwoch, den 19. Oktober, soll nun die Übergabe der Unterschriften auf innovative Weise erfolgen. Politikerinnen und Politiker, Gemeindevertreter, Bildungsfachpersonen, Mitarbeitende der Stadtverwaltung Burgdorf, Pressevertreter und Bürger/innen werden sich am Nachmittag gemeinsam mit einer Armada von Flyer-Elektrovelos gen Bern in Richtung Rathausplatz auf den Weg machen. Insgesamt stehen 150 Elektrobikes aus dem Emmental zum Gebrauch bereit. «Auf der Suche nach einem ökologischen und innovativen Gefährt kam nur der Flyer in Frage. Zudem verkörpert die Biketec AG als erfolgreiches Unternehmen hervorragend den innovativen Geist der Regionen Emmental und Oberaargau», schreibt die Stadt Burgdorf in einer Medienmitteilung. Mit der Aktion will man ein Zeichen setzen und zeigen, dass die ganze Region zusammensteht.

Der Ablauf der Petitionsübergabe
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich am Mittwoch, den 19. Oktober, um 13.00 Uhr am Bahnhof Burgdorf, nehmen dort ihren Flyer, einen Velohelm und eine Flyer-Instruktion entgegen und werden in Zehnergruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hat einen Guide, der über eine Wegbeschreibung, Verbandsmaterial, Traubenzucker usw. verfügt. Die Gruppen starten ab 13.15 Uhr im Fünf-Minuten-Takt. Dank den Flyern wird es eine beschwingte, vergnügliche Reise, bei welcher der Fahrspass garantiert nicht zu kurz kommt. Um 15.00 Uhr treffen sich alle Teilnehmer/innen beim Alten Tramdepot in Bern, um von dort aus gemeinsam über die Nydeggbrücke auf den Rathausplatz zu fahren. Der Staatsschreiber Kurt Nuspliger wird vorgängig schriftlich über die Übergabe informiert. Auf dem Rathausplatz ist ein «Burgdorfer Bier»-Wagen stationiert. Des Weiteren werden zur Stärkung Grill-Bratwürste angeboten. Der Anlass dauert bis maximal um 17.00 Uhr, anschliessend müssen die Flyer wieder zurück nach Burgdorf/Huttwil. Die Heimreise der Teilnehmenden erfolgt auf individuelle Weise.

Die Stadt Burgdorf hat eine eigene Expertise in Auftrag gegeben
Der Widerstand der Regionen Emmental und Oberaargau gegen die geplante Schliessung der Fachhochschule in Burgdorf, wo unter anderem die Studiengänge Elektrotechnik, Maschinentechnik, Architektur und Bauingenieurwesen angesiedelt sind, hat bisher bereits Wirkung gezeigt. Der Regierungsrat muss einen detaillierten Bericht zur Standortfrage erstellen, welcher voraussichtlich im Januar 2012 dem Grossen Rat vorgelegt wird. Das Campus-Komitee schaut dem Resultat allerdings mit Skepsis entgegen, da der Bericht voraussichtlich von denjenigen Personen erstellt wird, welche den Entscheid gegen Burgdorf gefällt haben. Aus diesem Grund hat die Stadt Burgdorf eine eigene Expertise in Auftrag gegeben, welche sich vor allem auf die wirtschaftlichen Aspekte des unverständlichen Standortentscheids konzentrieren wird. Die Regionen Emmental und Oberaargau beteiligen sich an dieser Studie.

Was spricht für den Standort Burgdorf?
Die Berner Fachhochschule weist heute rund 30 Standorte in Bern, Biel, Burgdorf und deren Agglomerationen auf. Die Verteilung auf derart viele Standorte erweist sich als Nachteil für eine zukunftsgerichtete Entwicklung. Deshalb wird eine Konzentration der Standorte angestrebt.
Burgdorf hat ein attraktives und rasch umsetzbares Angebot für ein künftiges Fachhochschul-Zentrum erarbeitet und dem Regierungsrat vorgelegt. Vieles spricht für einen Campus Burgdorf. Umso grösser war die Betroffenheit, Enttäuschung und Empörung in der ganzen Region angesichts des Entscheids des Regierungsrates, den Fachhochschul-Standort Burgdorf aufheben zu wollen. Das Komitee «Campus Burgdorf» kritisierte die Begründungen für den Entscheid zugunsten von Bern und Biel und gegen die Emmestadt als «fadenscheinig und teilweise falsch oder widersprüchlich». Eine Analyse des Ergebnisberichts «Standortkonzentration BFH» mache deutlich, dass das Potenzial des Burgdorfer Angebots falsch eingeschätzt worden sei. Entgegen den Aussagen im Bericht bietet Burgdorf viel mehr Fläche als angenommen, ist viel zentraler gelegen, ist günstiger, ökologischer und schneller realisierbar als die vorgesehene Lösung, welche die Regierung getroffen hat. Mit folgenden Fakten und Argumenten kämpft das Komitee gegen den Beschluss der Kantonsregierung an:

Mehr Fläche und rascher realisierbar
Bereits ab dem Jahr 2016 werden in Burgdorf rund 80 000 m2 Geschossfläche zur Verfügung stehen – an bester Lage, direkt am Bahnhof, nach den Bedürfnissen der Bestellerin gebaut. Bestehende kantonseigene Gebäude an der Technikumsstrasse und Grundstücke beim Tiergarten können zusätzlich in den Campus integriert werden. Die Fläche reicht für bis zu drei Departemente aus, unter Einbezug weiterer Reserven im Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof sogar für eine Vollkonzentration der BFH.

Wenig Lösung für zu viel Geld
Mit der vom Regierungsrat vorgeschlagenen Lösung wird nur eines von vier Departementen (Technik und Informatik) konzentriert, und dies frühestens im Jahr 2020. Der geplante Neubau in Biel kostet mehrere 100 Mio. Franken. Die über 13 Standorte in Bern bleiben stark verzettelt und sind meist in fremde Liegenschaften eingemietet. Gleichzeitig werden in Burgdorf kantonseigene, modern ausgerüstete Gebäude mit einer Geschossfläche von über 20 000 m2 leer stehen. So kann das Ziel einer Standortkonzentration zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der BFH weder zeitgerecht noch wirtschaftlich erreicht werden.

Regionalpolitisch unausgewogen
Die Region Emmental/Oberaargau mit ihren 170 000 Einwohnern ist ein wichtiger Bestandteil des Kantons Bern. Eine Schliessung der Fachhochschule in Burgdorf würde diese Region regionalpolitisch, wachstumspolitisch und bildungspolitisch stark benachteiligen.

Unökologisch
Verkehrsprognosen für das Ballungszentrum Bern gehen von einem Wachstum des öffentlichen Verkehrs bis ins Jahr 2030 um über 60% aus. Burgdorf ist mit allen Verkehrsträgern sehr gut erschlossen. Ein BFH-Standort in Burgdorf lenkt die Pendlerbewegungen in die noch aufnahmefähigen Gegenrichtungen. Bessere Auslastungen anstatt weiterer Ausbau des Ballungszentrums Bern sind viel ökologischer.

Unwirtschaftlich
Bei der Standortevaluation wurden entscheidende wirtschaftliche Aspekte nur am Rand berücksichtigt. Die kantonalen Finanzen lassen jedoch auch auf lange Sicht keine Berner Extravaganzen zu. Die Finanzierbarkeit der BFH ist deshalb ein Hauptkriterium. Burgdorf bietet ein ausgezeichnetes Kosten-Nutzen-Verhältnis und ermöglicht wettbewerbsfähiges und rasches Handeln. mhl

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